8 Punkte, in denen Yoga mein Leben (zum Positiven) verändert hat
- katrinisabellbergm
- 6. Okt. 2024
- 7 Min. Lesezeit
Bevor ich Yoga praktiziert habe, habe ich immer ganz klischeehaft gedacht, dass alle Yoginis spirituelle Wesen sind, die in Ruhe und Gelassenheit durchs Leben gehen.
Nicht zuletzt ist Yoga ja auch dafür bekannt den Körper, Geist und die Seele in Einklang bringen.
Du kannst Yoga praktizieren und dabei nur stumpf die Asanas ausführen ohne in deinen Körper zu spüren, auf deine Atmung zu achten oder dich mit der Philosophie des Yoga auseinander zu setzen.
Dann wird Yoga aber nichts anderes für dich bleiben als ein paar Körperübungen, die dich vielleicht etwas beweglicher machen.
Wenn du aber ein wirkliches Interesse hast und dein Herz für all das öffnest, was Yoga dir geben kann, dann wirst du entdecken, dass Yoga nicht nur dich bewegt, sondern es auch dein Leben bewegen wird.
Yoga kann deinen Blickwinkel verändern, deine Perspektive, wie du aufs Leben schaust und das nicht nur wenn du im Kopfstand stehst ;)
Im Folgenden erfährst du was Yoga mir abseits der Matte gelehrt hat:
Achtsamkeit
Ohne Achtsamkeit kein Yoga. Wenn du den Fokus auf deine Atmung legst, bist du automatisch achtsam, denn mit jedem Atemzug bist du im Hier und Jetzt.
„Where your focus goes, the energy flows“: durch den Fokus auf deine Atmung zentrierst du die Energie bei dir.
Achtsamkeit bedeutet auch Wahrzunehmen. Die Beobachtung deines Sein-Zustands, völlig ohne Bewertung und ohne groß Nachzudenken. Deinen aktuellen Zustand für wahr anzunehmen.
Beobachte deine Atmung während der einzelnen Asanas, ist sie schnell oder langsam? Spürst du wie dein Herz in deiner Brust schlägt? Wie deine Beine zittern wenn du in Uttkatasana bist, wie du das Gleichgewicht hältst während du im Baum stehst oder das Gleichgewicht verlierst.
Dabei wirst du bald feststellen, dass Yoga nicht nur physische Bewegung ist, sondern dass du viel mehr auch deinen Geist trainiert. Du trainierst dich im achtsamen bei dir sein, aber auch in Akzeptanz und Loslassen. Zu akzeptieren was gerade da ist, was heute mit deinem Körper möglich ist und Leistungsansprüche an dich loszulassen.
Dur wirst automatisch anfangen dich zu reflektieren, mehr bei dir zu sein und auf deinen Körper und seine Bedürfnisse zu hören. Wobei ich gleich zum zweiten Punkt komme:

Auf meine Bedürfnisse hören
Durch Yoga konnte ich entdecken mehr auf meine Bedürfnisse zu hören und zwar auf meine wahren Bedürfnisse. Nicht nur körperlich, auch mental. Hineinzuspüren am Anfang jeder Yogastunde, wie es mir heute geht, was da ist, was ich brauche. Eine eher langsame Praxis, mehr Pausen oder brauche ich eine kraftvolle, energiegeladene Vinyasa Sequenz?
Ich habe aber auch lernen dürfen mehr Mitgefühl mir selbst gegenüber zu bringen. Liebevoller und verständnisvoller meinem Körper gegenüber zu sein, dass er nicht alles was ich mir vorstelle, leisten muss und dass jeder Tag anders ist.
Für mich ist es unglaublich befreiend zu wissen, dass ich beim Yoga nichts leisten muss und ich alles so akzeptieren darf, wie es gerade ist und akzeptiert werde.
Alleine sich die Zeit zu nehmen auf die Yogamatte zu gehen und diesen Raum nur für mich zu nutzen, um ganz bei mir zu sein. Mit dem Vorsatz keine Ansprüche an mich zu haben und mich selbst zu spüren, was mir nach jeder Yoga Einheit ein Gefühl der inneren Ruhe und Zufriedenheit gibt.

Akzeptanz
Mit dem Wort Akzeptanz stand ich lange auf Kriegsfuß. Sei es, dass es um Akzeptanz dessen geht, was ich nicht oder noch nicht kann, die Akzeptanz, dass andere etwas besser können als ich oder dass es um das leidige Thema Körperakzeptanz geht.
Ich wollte nicht verstehen, warum ich etwas akzeptieren sollte, was ich doch ändern kann. Ich kann meinen Körper verändern durch Sport und wenig Essen und ich kann meine Leistung verbessern.
Dabei bedeutet Akzeptanz gar nicht, dass sich etwas in der Zukunft nicht verändern darf. Es geht letztendlich nur daran den **aktuellen Zustand** so anzunehmen wie er gerade ist und zu verstehen, dass es okay so ist wie er gerade im Moment ist.
Besonders im Yoga wirst du während deiner Praxis auch immer wieder an deine körperlichen Grenzen stoßen oder frustriert sein, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt oder du plötzlich wieder viel wackeliger im Baum stehst als du es noch vor einer Woche getan hast.
Du musst dich in Frustration und Geduld üben, wenn du eine anspruchsvolle Asana zum ersten mal machst und es erstmal überhaupt nicht funktioniert. Das Gleichgewicht und die Beweglichkeit zu schulen braucht Zeit. Aber alles was du tun musst ist nur den Moment zu akzeptieren.
Das Anzunehmen hilft dir auch bei alltäglichen Situationen, die ich z.B. im Beruf oder Privaten stressen, unter Druck setzen oder evtl. Versagensgefühle in dir auslösen. Glaub mir, ich kenn das alles zu gut! Mir hilft es dann mich immer wieder zu erinnern, dass nichts in Stein gemeißelt ist und Situationen sich verändern und vorbei gehen, aber der Moment ist wie er ist. Ich kann mir dann darüber stundenlang Sorgen machen und in der Vergangenheit oder Zukunft hängen, mich vergleichen oder mich in negativen Selbst-Talk verlieren. An dem jetzigen Zustand wird sich dadurch auch (erstmal) nichts ändern.
It is what it is. Accept it and move on.

Authentizität
Wie viele Menschen sind denn heutzutage noch authentisch? Wer sagt die Wahrheit, wenn dich jemand fragt, wie es dir geht?
Ich nehme mich da selbst nicht raus und ich verstehe es total, dass man nicht jedem Menschen seine privatesten Gefühle jederzeit mitteilen möchte. Das ist auch vollkommen okay.
Was viel wichtiger ist: Weißt DU, wie es dir wirklich geht?
Oder „belügst“ du dich selbst und andere, in dem du etwas verkörperst, wovon du denkst, das es entweder in der Gesellschaft anerkannt ist oder was du nur tust um geliebt/gemocht zu werden? Um deine Authentizität zu leben, solltest du allerdings selbst wissen das DU wirklich möchtest, was deine Identität ist, was deine Werte sind und was dir Spaß macht.
Mich selbst kennen zu lernen (und auch weiterhin täglich kennenlernen zu dürfen), war und ist eines der wichtigsten Learnings der letzten Jahre.
Ich habe auch sehr, sehr lange nicht meine eigene Wahrheit gelebt. Viel mehr habe ich sie auch gar nicht gekannt.
Mein wahres Ich zu leben, unabhängig von gesellschaftlichen Normen und Standards und dass zu tun, worauf ich wirklich Lust habe, fühlt sich einfach wunderbar befreiend an. Du selbst zu sein, ist niemals falsch!

Achtung anderen Gegenüber
Der Umgang mit der eigenen Umwelt (Yamas) ist neben dem Umgang mit sich selbst (Niyamas) ein Zweig des des 8-gliedrigen Pfads von Patanjali (ein indischer Gelehrter, der vor ca. 2.500 Jahren in seinem Yoga-Sutra Richtlinien zum Leben aufgeschrieben hat, die als Anleitung für den Weg zur Erleuchtung dienen sollen; Patanjali gilt auch als „der Vater des Yoga“)
Die Yoga Philosophie auch abseits der Matte zu praktizieren, bedeutet für mich auch mehr auf meine Umwelt und den Umgang mit Ressourcen zu achten.
Auch hier bin ich sicher nicht perfekt und vieles ist auf jeden Fall noch ausbaufähig, aber ich finde letztendlich zählt jeder kleine Schritt.
Was ich tue, um bewusster mit meiner Umwelt umzugehen:
- ich setze auf mehr Nachhaltigkeit, sowohl beim Einkauf von Lebensmitteln (überwiegend vegetarisch/vegan, regional) als auch bei Kleidung (wenig fast Fashion, mehr gebraucht kaufen z.B. auf Vinted und für jedes neu gekauftes Kleidungsteil ein altes verkaufen
- ich bin achtsamer im Umgang mit anderen Menschen, *don’t judge a book by it’s cover*, denn du weißt nie durch was ein Mensch schon durchgegangen ist, was er erlebt hat, was seine Prägungen sind etc. Deshalb versuche ich mit jedem Mensch so umzugehen, wie auch ich möchte, dass mit mir umgegangen wird
- ich fühle mich mehr verbunden mit anderen Menschen und meiner Umwelt (Tiere, Natur), letztendlich sind wir alle ein großes Ganzes und ich bin nur ein kleiner Teil davon, aber jeder einzelne davon ist wichtig und hat seine Daseinsberechtigung

Achtung mir selbst gegenüber
Das ist wohl einer der Punkte, an dem ich momentan noch am meisten versuche zu arbeiten. Mich selbst und meinen Körper so zu respektieren wie ich andere auch achte.
Dazu gehört für mich auch die psychische Komponente:
wie ich mit mir selbst rede, ob ich mich klein mache, mir nichts zutraue, mich beschimpfe für meine Fehler oder mich selbst ablehne.
Ob unbewusst oder bewusst, dein Gehirn wird all dies aufnehmen und verarbeiten und je öfter du dich im Geiste schlecht behandelst oder runter machst, desto mehr wirst du es auch glauben und verinnerlichen.
Die meisten von uns sind sowieso schon stark geprägt von (negativen) Glaubenssätzen und trotzdem bestärken wir diese noch mehr in dem wir immer wieder in toxischen Self-Talk verfallen.
Ich möchte weiter daran arbeiten mich selbst ernst zu nehmen, mich zu achten, mich liebevoll zu behandeln und auf meine Bedürfnisse hören.

Loslassen
„Nur wer loslässt, hat die Hände frei für Neues“
Loslassen ist ein bedeutend wichtiger Teil der Akzeptanz.
Sei es Dinge, die mir nicht mehr gut tun, Menschen, in deren Umgebung ich mich nicht wohl fühle oder alte Verhaltensmuster und Glaubenssätze, die mir schaden.
Wenn ich diese loslassen möchte, muss ich zwangsläufig erst in die Akzeptanz gehen. Akzeptieren was da ist und mir selbst die Zeit geben, die es braucht um sie loszulassen.
Loslassen ist ein Prozess, der meist nicht von heute auf morgen passiert. Um Neues (positives) in meinem Leben zu integrieren, muss ich erstmal Platz für Neues schaffen und meine alten Glaubenssätze gehen lassen. Meist ist es auch nur eine Illusion, dass wir denken, wir hätten alles unter Kontrolle, indem wir uns krampfhaft an alte, bereits nicht mehr aktuelle Wertvorstellungen festhalten und fühlen uns damit vermeintlich sicherer.
Es ist unglaublich schwer Dinge loszulassen, gerade wenn es lang antrainierte Verhaltensmuster sind. Aber du darfst auch hier step by step in kleinen Schritten beginnen. Lass los, was du nicht kontrollieren oder beeinflussen kannst und befreie dich von den endlosen „was-wäre-wenn“ oder „hätte-ich-doch-nur“ Gedankenspiralen.
Du kannst weder die Vergangenheit ändern, noch die Zukunft kontrollieren. Das Einzige was du wirklich beeinflussen kannst, ist dein Handeln in der Gegenwart.
Lerne deine Grenzen kennen (und darüber hinaus zu gehen), übe dich in Gelassenheit und alles wird sich so fügen und verändern, wie es geschehen soll.

Ich vertraue meiner Intuition und dem Universum
Was mir auf jeden Fall beim Loslassen geholfen hat, ist der Gedanke, dass immer alles so kommt wie es kommen soll.
Wenn etwas nicht klappt, dann soll es auch nicht sein und hat seinen tieferen Sinn (den man meistens erst später erfährt, aber du darfst vertrauen, dass es so ist).
Das trifft nicht nur auf die Dinge zu, die uns im täglichen Leben begehen, sondern du kannst auch während deiner Yogapraxis vertrauen, dass dein Körper genau weiß, welche Asana heute für dich machbar ist und welche nicht. Wenn eine Asana mal nicht so klappt wie du möchtest, dann ist heute vielleicht gerade nicht die Zeit dafür. Das ist okay und du darfst das akzeptieren und deinen Anspruch an dich selbst loslassen.

Wie hat Yoga dein Leben verändert? Erzähl mir gerne von deinen Erfahrungen :)



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